Rechtzeitiges Erkennen guter WetterlagenFrieder Wolfart, 29.1.1998 Zunächst müssen wir uns drei Fragen stellen:
Letztendlich sind die Erfahrung und das Können des Piloten darüber entscheidend, ob bei einem bestimmten Wetter ein attraktiver Flug gelingt. Eine bestimmte Wetterlage kann für den einen Piloten hervorragend sein, für einen anderen völlig unbrauchbar. Zum Beispiel ist es bei Föhn am Platz meist stabil, nur für routinierte Piloten kommt ein Schlepp in die Welle in Frage. Trotzdem will ich versuchen, einige allgemeingültige Aussagen darüber zu treffen, wann unser Segelfliegerherz höher schlagen sollte. Welche Kriterien sollten an einem guten Tag erfüllt sein?
Mit anderen Worten: trockene Luft und stabile Wetterbedingungen bei gleichzeitig nicht zu stabiler Schichtung in der unteren Atmosphäre und stabiler Schichtung in der oberen.
Günstige VerhältnisseZwei Dinge sind hierfür von besonderer Bedeutung
Zur Herkunft der LuftmassenDie Luft sollte möglichst kontinentalen Ursprungs sein. Günstig ist
Das heisst, die bei uns wirksamen Luftmassen sollten aus nördlichen, nordöstlichen, östlichen oder südöstlichen Gegenden stammen. Sie müsen dabei nicht unbedingt kalt sein! Zu den relativen Druckverhältnissen: Die bei uns herrschende Wetterlage sollte hochdruckbestimmt sein. Das heisst, es sollte eine gewisse Subsidenz wirksam sein. Das bedeutet ein Absinken der Luft in der oberen bis mittleren Troposphäre. Hierdurch wird die Luftschichtung einerseits stabilisiert (Absinkinversion) und andererseits wird die Luft von oben erwärmt und somit (relativ) abgetrocknet.. Dieser Prozess ist auch umkehrbar. Eine zu starke Subsidenz kann die Ausbildung guter Thermik auch behindern.
Warum ist Kaltluft labiler als Warmluft?Die einstrahlende Sonnenenergie ist gleich, egal ob die Luft warm ist oder kalt. Somit sollte die Erwärmung pro Zeiteinheit in beiden Luftmassen gleich sein und auch die Labilität. Verantwortlich für die schwächere Thermik in der Warmluft ist die Feuchtigkeit des Untergrundes. Zur Verdunstung von Feuchtigkeit wird sehr viel Wärme verbraucht. Da warme Luft viel mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, als kalte, geht bei warmer Luft ein grosser Teil der eingestrahlten Sonnenenergie in die Verdampfung von Wasser verloren, der in kalter Luft zu deren Erwärmung zur Verfügung steht. Ist der Untergrund trocken (Hochsommer Trockenperiode) kann auch warme Luft sehr labil sein.
Das Zauberwort KaltluftadvektionWird Kaltluft zu uns geführt, so geschieht das oft in den oberen Luftschichten, oberhalb der Bodenreibungsschicht, stärker als in den unteren. Hierdurch findet eine ständige Labilisierung statt, die zu einer Verstärkung und Verlängerung der Thermik führt. Bei Kaltluftadvektion dreht der Höhenwind immer nach links. (Bei Warmluftadvektion immer nach rechts.) Zu länger anhaltender Kaltluftadvektion kann es nur kommen, wenn der Bodenwind aus östlichen Richtungen bläst. Dann kommt nämlich der kältere Höhenwind aus nördlichen Richtungen. Würde der Bodenwind aus Westen kommen, müsste uns die kältere Luft aus Süden erreichen. Ein grösseres Kaltluftreservoir im Süden ist jedoch unwahrscheinlich, so dass eine solche Situation nur von kurzer Dauer sein kann.
Warum gibt es im Winter nur selten Thermik?Die Erde empfängt tagsüber Strahlung von der Sonne. Gleichzeitig strahlt auch die Erde Energie in den Weltraum ab. Über das Jahr und über die gesamte Erde ist die empfangene und abgestrahlte Energie gleich hoch, sonst würde sich die Erde im Laufe der Zeit erwärmen (was ja in den nächsten Jahren aufgrund des Treibhauseffektes zu befürchten ist). Etwas vereinfacht lässt sich sagen, dass nachts pro Zeiteinheit genausoviel Energie abgestrahlt wird, wie die Erde am Tag pro Zeiteinheit (netto) empfängt. Da aber bei uns im Sommerhalbjahr die Tage länger sind als die Nächte, erwärmt sich bei uns liegende Luft von Tag zu Tag, im Winter ist es umgekehrt. Da die Erwärmung und die Abkühlung grösstenteils nur durch den Kontakt der Luft mit dem Boden geschieht, bedeutet dies, dass im Sommerhalbjahr die sich nachts am Boden sich bildenden Kaltluftseen (Bodeninversionen) am Tag sich auflösen und im Winterhalbjahr sich von Nacht zu Nacht verstärken. Solange die Nächte kürzer sind, als die Tage kann es nur Thermik geben, wenn frische, labile Luftmassen herangeführt werden. Oder je länger die Nacht, desto später der Thermikbeginn.
Bei welchen Wetterlagen können wir mit günstigen Segelflugbedingungen rechnen?Nordlage, Hoch über England, Tief über Skandinavien25.-31.5.1990: Einer Woche Hammer. Viele 1000er in Deutschland 9.9.1996: Flug Blumberg, La Chaux-de-Fond Die Wetterlage dauert oft über mehrere Tage. Zunächst bei uns staugefährdet. Im Norden dann bereits sehr gute Bedingungen. Also wenn möglich auf nach Norden. Ostlage, Hoch über Skandinavien, Tief über dem Mittelmeeraum19./20.7.96: Die besten Tage des Jahres, Lesce 15.4.96: Rund Stuttgart eher nein HW Grosse flog am 25.4.1972 1460 km von Lübeck nach Biaritz. Die Wetterlage dauert oft über mehrere Tage. Oft aus Nordlage abgeleitet. Am Boden Bise, in der Höhe aber kein West, sondern Nord- oder auch Ostwind. Flüge in den Osten zu empfehlen. Kann im Sommer auch warme, trockene Luft aus Osten bedeuten. Gute Alpenlage. Aufbauendes Hoch / ZwischenhochSchwer prognostizierbar. Kommt oft überraschend. Kann noch zu labil sein oder aber auch zu stabil, wenn das Hoch zu rasch aufbaut und die Isobaren zu eng stehen oder der Druck zu hoch wird (> 1023 hPa). Dauer max. ein Tag. Abbauendes Hoch über Mitteleuropa5./6.8.96 Wiener Neustadt. Typisch im Sommer. Nach Durchzug des Hochzentrums nach Osten oder bei der Abflachung des Hochs lässt Subsidenz nach, die Schichtung verliert von Tag zu Tag an Stabilität. Die Thermik setzt immer früher ein, es bilden sich wieder Quellwolken, am Abend besteht Gefahr von Überentwicklungen. In den Alpen oft hervorragende Bedingungen. Gefahr einer Kaltfront. Sonderfall Tief über der Biskaya, mit Föhn1000er ab Schänis Tief über Biskaya oder Spanien, hoher Druck im Osten. Stau im Süden. Kaltfront oft stationär oder wellend über Frankreich. Oft über mehrere Tage. Der zweite Tag ist oft erst interessant. Wie lassen sich die Wetterlagen frühzeitig erkennen? Tägliches Studium der Wetterseite z.B. NZZ. Aktueller Bodendruck und Aussichten der nächsten Tage. Auf Stichworte achten wie
Empfehlung allgemein: nach jedem guten Flugtag nachdenken, welche Wetterinformationen wären vor dem Flug verfügbar gewesen und wie wären diese vorher zu interpretieren gewesen?
Die wichtigsten Infoquellen
weitere wichtige Informationsquellen
Die Ausnutzung der WetterlageZur Ausnutzung einer guten Wetterlage ist das Können und die Erfahrung des Piloten gefordert. Meist ist der Startzeitpunkt und die erste Stunde des Fluges entscheidend, da über die Richtung des Fluges entschieden werden muss. Oft entspricht das Wetter am Platz nicht den Erwartungen und es muss dem guten Wetter erst entgegengeflogen werden. Und da hilft nur eines: üben. |
letzte Änderung: 2004-09-27 20:34 © Segelfluggruppe Winterthur / mail comments